VOM «HEUSCHÜRLI» ZUM MODERNEN LANDWIRTSCHAFTSBETRIEB

Zusammenfassung der Hofgeschichte, zusammengetragen (bis Jahr 1955) von Peter Stöcklin, Lehrer in Diegten

Widmung: Der ehemalige Besitzer Hans Nebiker-Schenker hat die Entwicklung des Ebnet in zwei Phasen massgeblich geprägt: Beim Wiederaufbau des Hofes nach dem Brand 1928 sowie nach 1955, als der Hof zum landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb ausgebaut wurde.

Aufnahme vom Hof Ebnet in 1940

1940

Aufnahme vom Hof Ebnet in 1975

1975

Aufnahme vom Hof Ebnet in 2016

2017


Name und Gründung des Hofes Ebnet

Einer der grössten Fortschritte in der Geschichte der Baselbieter Landwirtschaft war ab dem 18. Jahrhundert die Befugnis, dass man auf Einschlägen, die ganzjährig durch einen Weg erschlossen waren, Wohnhäuser bauen durfte. Vorher siedelte die Landwirtschaft mit dem Ackerland innerhalb eines Dorfes – quasi in einer Lebensgemeinschaft, die im Stande war, ohne Hilfe von aussen existieren zu können. Dies war die Geburtsstunde der Einzelhöfe, welche noch heute die Landschaft des Oberen Baselbiets prägen.


Wie viele andere Einzelhöfe bekam auch der Hof Ebnet seinen Namen vom Grundstück, auf dem er erbaut worden war. Der Name «Ebnet» ist dabei die Bezeichnung für eine Hochebene. Die ersten Bauten auf dem heutigen Hof entstanden im Jahr 1830. Damals ersuchte Hans Jakob Mohler den Bürgermeister in Basel um die Bewilligung, sein «Heuhäuslein» auf das Land auf dem Ebnet zu versetzen. Dieses Gesuch wurde bewilligt, ausserdem durfte im Frühjahr 1831 ein Weidstall dazugebaut werden. 1836 folgte dann schliesslich der Bau eines Hauses sowie einer Scheune. Die Bauten waren sehr einfach gehalten – ein einstöckiges Wohnhaus und die Scheune rein aus Holz.

Die Entwicklung des Hofes und seine Besitzer

Hans Jakob Mohler als erster Besitzer und Gründer vom Hof Ebnet war nicht etwa Bauer, sondern Seidenbandweber. Die Landwirtschaft betrieb er in erster Linie zur Selbstversorgung, wie es damals für jeden Haushalt auf dem Lande unumgänglich war. Nach etlichen Versuchen, sein Land durch Zu- und Verkäufe zu vergrössern, musste er den von ihm gegründeten Hof 1853 schliesslich verkaufen.


In den folgenden Jahrzehnten folgten viele Besitzerwechsel: Leopold Mösch, Niklaus Weiss-Madörin, Robert Madörin-Oberer, Peter Badertscher-Gerber, Nathanael Schaub-Single, Gebrüder Lehnherr, Ferdinand Thommen-Gysin sowie Emil Schmutz-Schneider. Auch die Bauten machten viele Entwicklungen durch: Etliche Zu- und Verkäufe von Land, der Hof wurde durch einen Dachstuhl um einen Stock erhöht, die Scheune wurde von Grund auf neu erbaut, ein Schopf wurde gebaut, eine weitere Scheune kam hinzu und der Schopf wurde erweitert. Im Jahr 1928 folgte schliesslich ein Schicksalsjahr für den Hof Ebnet.

Der Brand von 1928

Am 15. April 1928, einem Sonntagmorgen, wollte Emil Schmutz seine Arbeiten im Stall beenden, als er sein unruhiges Vieh im Stall bemerkte. Als er eine losgerissene Kuh anbinden wollte, bemerkte er im Schopf daneben Rauch. Das am Boden liegende Stroh brannte lichterloh und sprang gerade auf den oberen Schopfboden über, wo ebenfalls Stroh lag. Mit dem wenigen Wasser, das noch im Brunnen war, versuchten Emil und seine Söhne das Feuer zu löschen. Sie sahen aber bald ein, dass es zwecklos war. Während die Mutter ins Dorf eilte, um die Feuerwehr zu alarmierern, retteten die anderen das Vieh.

 

Zur Bekämpfung des Brandes wurden die Feuerwehren von Diegten, Eptingen, Bennwil und Hölstein mobilisiert. Es wurde eine Wasserleitung von rund 700 Meter Länge von Oberdiegten her erstellt. Unter dem starken Druck platzten aber immer wieder Schläuche. Auf dem Hof selber war zu wenig Wasser oder Jauche vorhanden, um den Brand zu löschen. Durch den starken Wind wurde das Feuer angefacht. In kurzer Zeit war der Schopf ganz niedergebrannt. Von der Scheune griff das Feuer auf das Dach des Wohnhauses über. Als schliesslich Wasser zur Stelle war, standen nur noch die Mauern der Gebäude.


Das Vieh wurde ganz gerettet, der grösste Teil des Hausrates ebenfalls. Dagegen verbrannten aber die landwirtschaftlichen Maschinen, die Gebäude und die Futtervorräte vollständig. Die Brandursache konnte nie vollständig geklärt werden, man vermutete aber fahrlässige oder gar böswillige Brandstiftung.

Der Wiederaufbau dank Hans Nebiker

Noch während der Untersuchung ging der Ebnet in andere Hände über. Am 3. Mai 1928 kaufte ihn Gottlieb Dill vom Nachbarhof Länz. Doch wieso kaufte er diesen Hof? Sein Schwager Hans Nebiker war im Begriff, nach Amerika auszuwandern. Mit dem Erwerb des Ebnets öffnete sich ihm eine unerwartete Möglichkeit, seine Ideen zu verwirklichen. Damit kein anderer Käufer zuvorkommen konnte, erwarb also sein Schwager den Ebnet. Bereits einen Tag später, am 4. Mai 1928, kaufte Hans Nebiker seinem Schwager das Gut ab. Mit dem Erwerb des Hofes konnte Hans Nebiker, Absolvent der Abteilung Landwirtschaft an der Eidgenössischen Technischen Hochschule, sein Berufsziel erfüllen, sowohl als Landwirtschaftslehrer und Berater als auch als praktischer Landwirt tätig zu sein.


Der Wiederaufbau der Gebäude und die nötigen Drainagearbeiten verlangten eine sorgfältige Planung. Wohnhaus und Scheune wurden nach neuen Erkenntnissen getrennt voneinander aufgebaut, der Stall wurde als Längsstall konzipiert. 1929 kamen zudem ein Schweine- und ein Hühnerstall hinzu. Auf verschiedenen Grundstücken war viel stagnierendes Wasser vorhanden, weshalb der Ebnet früher als wenig ertragreich gegolten hatte. Die dazu nötigen Drainage- und Wegbauarbeiten wurden vorwiegend in Eigenregie ausgeführt, was unzählige Arbeitsstunden verschlang.

Die Bewirtschaftung des Hofes nach 1928

Mit dem Neubau des Hofes wurde auch dessen Bewirtschaftung intensiviert. Nebst 12–14 Milchkühen und dem entsprechenden Jungvieh wurden zudem Schweine gezüchtet und im grösseren Ausmass Eier produziert. Im Pflanzenbau konnten dank des nun entwässerten Bodens gute Erträge erzielt werden. Neben Getreide und Kartoffeln wurden auch Intensivkulturen angebaut. Die relativ frostfreie Lage des Hofes Ebnet ermöglichte den Kirschenanbau. 1930 wurde die erste geschlossene Kirschenanlage angepflanzt. Der Hof wurde nicht nur neu aufgebaut, er konnte auch durch Zukauf von Areal vergrössert werden.

Von 1932 bis 1955

Etwas unerwartet wurde der Hof Ebnet 1932 an Sigrid Katharina Schwarz verkauft. Sie erhielt den Hof von ihrem zahlungskräftigen Vater in erster Linie deshalb, weil sie sich für Pferde begeisterte.


Die ersten Bewirtschafter waren die Gebrüder Liechti, das Pachtverhältnis dauerte jedoch nur ein Jahr. Vom Herbst 1933 bis März 1934 wurde der Betreib von Herrn Altweg verwaltet. Offenbar nicht zur Zufriedenheit der Besitzerin, denn das Verhältnis war nur von sehr kurzer Dauer. Von 1934 bis 1941 war Ulrich Gsell, Schwager von Hans Nebiker, Verwalter des Hofes Ebnet. Er bewirtschaftete den Hof als eigentliches Herrschaftsgut. Der Hof wurde durch die Erstellung einer grossen Wagen- und Maschinenremise und durch den Neubau eines weiteren Hüherhauses weiter ausgebaut. Es galt, den Betrieb selbsttragend zu führen, was auch gelang. Neben Getreide und Kartoffeln wurde auch Gemüse sowie Obst in grösserem Umfang angebaut. 

 

Nachfolger von Urlich Gsell als Verwalter war 1941 bis 1945 Karl Suter. Die Bewirtschaftung des Hofes stand zu dieser Zeit im Zeichen der Kriegswirtschaft. Die Pächterfamilie Stalder-Leuenberger bewirtschaftete den Hof danach bis zum Jahr 1955.

Zurück in die Hände der Familie Nebiker

1955 wurde der Hof Ebnet an seinen früheren Besitzer Hans  Nebiker verkauft. Sein Sohn Hansruedi und dessen Ehefrau Margrit wohnten von nun an auf dem Hof, die betrieblichen Arbeiten wurden seither durch einen Betriebsleiter und einen Melker getätigt. Vater Hans sowie Sohn Hansruedi arbeiteten im Familienunternehmen Nebiker in Sissach, zu welchem eine Futtermühle, eine Brennerei und eine Beratungsstelle gehörte. Den Hof Ebnet nannten sie einen Versuchsbetrieb, da Hans Nebiker seit Beginn verschiedene Sachen auf dem Landwirtschaftsbetrieb austüftelte. So wurden Versuche mit Hofdünger durchgeführt oder er pflanzte neue Kirschensorten. Hans Nebiker hatte zu jeder Zeit ein Büro auf dem Hof Ebnet.

 

Im Jahre 1991 kamen Stefan und Mariann Herzog-Theiler als Betriebsleiterpaar auf den Betrieb, 1997 und somit vier Jahre nach der Einführung der Direktzahlungen konnten Herzog's den Hof Ebnet pachten. Ein bereits geplanter Schweineoffenfrontstall wurde umgesetzt und der Kirschendirektverkauf ausgebaut. Die alte Kirschenanlage wurde durch eine neue ersetzt und im Verlaufe der Zeit baute Familie Herzog die Produktion von Tafelkirschen und Zwetschgen aus. In der Schweinehaltung konnte 2001 eine Tierhaltergemeinschaft mit Peter Hofer gegründet werden.

 

Hansruedi Nebiker verstarb 2008, seine offene Art gegenüber neuen Ideen ist aber noch heute auf dem Hof Ebnet spürbar. Schon im Jahr 2000 gründete Hansruedi Nebiker die Ebnet AG, in der nebst ihm und seiner Frau Margrit Nebiker auch deren 6 Töchter Teilhaberinnen waren. Der Ebnet AG gehört der Landwirtschaftsbetrieb Ebnet. Seit 2008 agiert Heinrich Schäublin, Geschäftsleiter der Nebiker Treuhand AG, als Verwaltungsratspräsident und Berater der Ebnet AG.